Web Sitesi künyesi
Web Sitesi künyesini burada bulabilirsiniz.
Yeni Haberler
50 Jahre Anwerbeabkommen – 22.11.2011
Zum Jahrestag des Anwerbeabkommens gibt es eine lesenswerte Ausgabe der Schrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" (APuZ) die hier abrufbar ist.
GTP-Tagung 2012 in Kooperation mit der DTGPP – 10.05.2012
Voraussichtlich in Istanbul wird im Mai 2012 die nächste Jahrestagung der GTP stattfinden. Als DTGPP freuen wir und besonders, Kooperationspartner dieser interessanten Tagung zu sein. Es wird unter dem Thema "voneinander lernen" interessante Vorträge und Workshops mit Vortragenden aus Deutschland und der Türkei geben. Dabei wird sowohl über psychodynamische Therapie, wie auch über kognitive VT und systemische Therapie gesprochen werden.
Ansprechpartnerin ist:
Hülya Bingöl (rhulyabingol@gmail.com)

Wolfgang M. Pfeiffer vefat ettı

 

W. M. Pfeiffer

 

Nachruf für Prof. Dr. Wolfgang M. Pfeiffer

Am 27. Oktober 2011 ist Wolfgang M. Pfeiffer kurz nach Vollendung seines 92. Lebensjahres im Kreise seiner Familie verstorben. Die Entwicklung der Transkulturellen Psychiatrie ist eng mit der Person von Wolfgang M. Pfeiffer verbunden. Seine Bedeutung wurde zuletzt von der World Association of Cultural Psychiatry mit der Verleihung des „Life Achievement Award 2008 - in recognition of outstanding professional achievement in the field of cultural psychiatry“ gewürdigt.

Pfeiffer wurde am 23. Oktober 1919 in Plauen im Vogtland geboren. Er stammt aus einer Künstlerfamilie, die ursprünglich in Niederbayern beheimatet war. Der Künstlerhaushalt war weltoffen und ”Begegnung mit dem Fremden” gehörte von Kindheit an zu seinem Alltag. Während des Studiums in Halle bis zum Physikum übernahm er die Leitung des deutsch-ausländischen Studentenverbandes, was ihn in engen Kontakt zu Mitstudenten unterschiedlicher Nationalitäten brachte. Das klinische Studium in München wurde noch vor Kriegsende mit einer Notapprobation abgeschlossen, und ab1945 wurde Pfeiffer im Kreiskrankenhaus Grafenau erstmals ärztlich tätig. Nach Kriegsende wurde die Notapprobation dann nicht mehr anerkannt und der Weg führte zurück an die Münchener Universität, die er 1947 schließlich mit dem regulären Staatsexamen verließ.

Von 1951 bis 1956 war Pfeiffer als Facharzt für Psychiatrie und Neurologie im Krankenhaus für Hirnversehrte in Tübingen tätig, bevor er im Alter von 37 Jahren in den Entwicklungsdienst eintrat.

Zusammen mit seiner Familie ging er in das Bergland von Java nach Indonesien und arbeitete für mehr als drei Jahre als Direktor einer psychiatrischen Klinik. In dieser Zeit sammelte Pfeiffer seine vielfältigen Erfahrungen. Auch setzte er sich intensiv mit dem Islam auseinander.

Mit der Rückkehr nach Deutschland begann die wissenschaftliche Laufbahn von Pfeiffer: er wurde Mitarbeiter in der Psychiatrischen Universitätsklinik in Erlangen und arbeitete seine Erfahrungen aus Java wissenschaftlich auf. Pfeiffer war der erste Psychiater in Deutschland, der sich mit einem Thema zur Transkulturellen Psychiatrie habilitierte: Am 27. Februar 1969 legte er die Arbeit „Ergebnisse und Probleme der Transkulturellen Psychiatrie“ vor. Seine Habilitationsschrift bildete die Grundlage für sein späteres Lehrbuch. 1971 kehrte er – von der DFG gefördert - zu einem mehrmonatigen Forschungsaufenthalt auf Nias und in Mitteljava nach Indonesien zurück.

Es entwickelten sich weltweite wissenschaftliche Kontakte und Pfeiffer wurde neben Boroffka zu dem bedeutendsten deutschen transkulturellen Psychiater. Er publizierte 1971 das weltweit erste Lehrbuch ”Transkulturelle Psychiatrie”. Die zweite Auflage wurde nach gründlicher Überarbeitung 1994 veröffentlicht.

Auch in seiner späteren Universitätslaufbahn in Münster auf dem Lehrstuhl für medizinische Psychologie (1974 bis 1984) blieb Pfeiffer der transkulturellen Psychiatrie mit Forschungen, Veröffentlichungen und reger Vortragstätigkeit treu.

Ein weiterer Schwerpunkt des Schaffens von Pfeiffer ist die Gesprächspsychotherapie. In der Gesellschaft für Gesprächspsychotherapie wurde er zu einem wichtigen Ausbilder und prägendem Denker. Pfeiffer war Sprecher des wissenschaftlichen Beirats und Mitherausgeber des Jahrbuchs für personenzentrierte Psychologie und Psychotherapie.

Pfeiffer war ein wesentlicher Protagonist des Paradigmenwandels der Transkulturellen Psychiatrie von der Feldforschung in fremden Kulturen hin zur Transkulturellen Psychiatrie im Inland.

Pfeiffer plante gemeinsam mit Özek 1994 von der Istanbul-Universität den ersten Deutsch-Türkischen Psychiatriekongress. Im November 1994 wurde dann die Deutsch-Türkische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosoziale Gesundheit (DTGPP e.V.) gegründet und Pfeiffer wurde deren Ehrenpräsident (gemeinsam mit dem 2010 verstorbenen Özek). Inzwischen fanden bereits sieben Deutsch-Türkische Psychiatriekongresse statt, zuletzt im September 2010 in Berlin. Pfeiffer war Präsident der ersten drei Kongresse¸ er wurde für das Arbeitsgebiet ”Psychiatrie und Migration” in Deutschland ein wesentlicher Wegbereiter. Die DTGPP und die heutige Generation Transkultureller Psychiater hat dem Menschen Wolfgang M. Pfeiffer, einem Humanisten alter Schule sowie seinem umfangreichen wissenschaftlichen Werk viel zu verdanken.

Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Eckhardt Koch

für die Deutsch-Türkische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosoziale Gesundheit e.V.


Wichtige Publikationen (eine Auswahl):

Pfeiffer WM: Vergleichende psychiatrische Untersuchungen bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Westjava. Arch. Psychiat. Nervenkr. 204 (1963) 404-414

Pfeiffer WM: Versenkungs- und Trancezustände bei indonesischen Volksstämmen. Nervenarzt 37 (1966) 7-18

Pfeiffer WM: Die Symptomatik der Depression in transkultureller Sicht. In: Hippius H, Sellbach H. (Hg): Das depressive Syndrom. Urban und Schwarzenberg, München 1969

Pfeiffer WM: Transkulturelle Aspekte der Depression. In: W. Schulte, W. Mende (Hrsg.): Melancholie. Thieme, Stuttgart 1969 (S.97)

Pfeiffer WM: Transkulturelle Psychiatrie. Ergebnisse und Probleme. Thieme, Stuttgart 1971 (grundlegend überarbeitete Neuauflage 1994)

Pfeiffer WM: Transkulturelle Aspekte der Schizophrenie. In: H. Kranz, K. Heinrich (Hrsg.): Schizophrenie und Umwelt. Thieme, Stuttgart 1971 (S. 79)

Pfeiffer WM: Besessenheit – normalpsychologisch und pathologisch. In: J. Zutt (Hrsg.): Ergriffenheit und Besessenheit. Francke, Bern 1972 (S.25)

Pfeiffer WM: Die Stellung des psychisch Kranken in außereuropäischen Kulturen. In: E. Ehrhardt (Hrsg.): Perspektiven der heutigen Psychiatrie. Gerhards, Frankfurt 1972 (S. 327)

Pfeiffer WM: „Primitive“ und moderne Pschotherapie. Ein transkultureller Vergleich. Hippokrates 45 (1974) 415-432

Pfeiffer WM: Konflikte, psychoreaktive und psychosomatische Störungen auf Nias (Indonesien) Soziologus 27 (1977) 1-35

Pfeiffer WM: Psyhotherapeutic aspects of folk-medicine in Indonesia (oracles, dissociative states, brotherhoods). South Asian Digest of regional Writing Vol. 8 (1979) 46-61

Pfeiffer WM, Schoene W (Hg): Psychopathologie im Kulturvergleich. Enke, Stuttgart 1980

Pfeiffer WM: Traditionale Heilkunde und naturwissenschaftliche Medizin. Medizin, Mensch, Gesellschaft 6 (1981) 14-22

Pfeiffer WM (Hg) Asiatische Medizin in Europa. Verlag für Medizin Dr. Ewald Fischer, Heidelberg 1984

Pfeiffer WM: Transkulturelle Aspekte der Depression. Nervenheilkunde 3 (1984) 14-17

Pfeiffer, WM: Transkulturelle Aspekte zur Theorie von Missbrauch und Abhängigkeit. In: W. Feuerlein (Hrsg.): Theorie der Sucht. Springer, Berlin 1986 (S. 71)

Pfeiffer WM: Beitrag der vergleichenden Psychiatrie zum Problem der Unterteilung endogener Psychosen. In: C. Simhandl, P. Berner, H. Luccioni, C. Alf (Hrsg.): Klassifikationsprobleme in der Psychiatrie. Überreuter Wissenschaft, Wien 1990 (S. 114)

Pfeiffer WM: Wodurch wird ein Gespräch therapeutisch? Zur kulturellen Bedingtheit psychotherapeutischer Methoden. Psychother. Psychosom. Med. Psychol. 41 (1991) 93-154

Pfeiffer WM: Probleme der Arbeitsmigranten in psychotherapeutischer Sicht. Interkulturell, 1992, Heft 1/2: 113-126

Koch E, Özek M, Pfeiffer WM (Hg): Psychologie und Pathologie der Migration – Deutsch-Türkische Perspektiven, Bd., 1 der Schriftenreihe der DTGPP, Lambertus, Freiburg 1995

Koch E, Özek M, Pfeiffer WM, Schepker R (Hg): Chancen und Risiken von Migration – Deutsch-Türkische Perspektiven, Bd. 2 der Schriftenreihe der DTGPP, Lambertus, Freiburg 1998

Koch E, Pfeiffer WM: Migration und transkulturelle Psychiatrie. Curare 23(2000)2: 133-139

Pfeiffer WM (bearbeitet von Koch E): Ein persönlicher Reisebericht von Wolfgang M. Pfeiffer über seine psychiatrische Tätigkeit in Patjet, Java, Indonesien, 1957. Curare 32(2009) 3+4: 252-259

Zwei Arbeiten über und von Wolfgang M.Pfeiffer als PDF finden Sie hier und hier.

 


Die Deutsch-Türkische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosoziale Gesundheit e.V. heißt Sie herzlich willkommen hier im Internet.

Sie sehen auf den folgenden Seiten zunächst die Inhaltsangabe der Rubrik. Wenn Sie sich für einen Artikel interessieren, klicken Sie auf den unterstrichenen Titel, um ihn direkt im Internet zu lesen. Mit dem Button "zurück" in Ihrem Browser kommen Sie wieder zur Inhaltsangabe bzw. zur vorherigen Seite.

Oder Sie downloaden diesen Artikel und können ihn dann in Ruhe offline am PC oder ausgedruckt zuhause durchlesen.

Wir würden uns freuen, wenn Sie Kontakt mit uns aufnehmen. Wenn Sie interessante Beiträge zum Thema finden, eine Frage haben oder einen Kommentar, dann wenden Sie sich per E-Mail mit dem Button "Kontakt" an uns.














Web-Design:
N. Hartkamp
© DTGPP
Style:  

Get Firefox!

Get Thunderbird!

OpenOffice Now!

DTGPP RSS-Feed