Die Deutsch-Türkische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosoziale Gesundheit (DTGPP e.V.) – Entstehungsgeschichte, Entwicklung, Ziele und Ausblick

Geschichtlicher Rückblick

Seit mehr als hundert Jahren bestehen Beziehungen zwischen der Psychiatrie Deutschlands und der Türkei. Der erste Lehrstuhlinhaber in der Türkei, Rasit Tehsin (1870 – 1936) hat seine psychiatrische Ausbildung an der Universitätsklinik Heidelberg bei Kraepelin absolviert (Hippius et al. 1993).

Auch sein Nachfolger, Mazhar Osman (1884 – 1951) war Schüler von Kraepelin und pflegte eine sehr intensive Beziehung zur deutschen Psychiatrie mit gegenseitigen Besuchen, regelmäßigen Kongressteilnahmen und Studienaufenthalten von türkischen Ärzten in Deutschland.

Dieser ursprünglich sehr enge Kontakt zwischen den Psychiatrie beider Länder veränderte sich nach dem 2. Weltkrieg die Beziehungen zwischen der türkischen und amerikanischen Psychiatrie gewannen zunehmend an Bedeutung, Kontakte zur Psychiatrie in Deutschland verloren die ursprüngliche Vorrangstellung.

Trotz dieser Entwicklung waren namhafte Vertreter der türkischen Psychiatrie der Gegenwart wie Günsel Koptagel İlal und Metin Özek – beide sind inzwischen emeritiert – sowie Suna und Bilgen Taneli über viele Jahre hin an Universitätskliniken des deutschen Sprachraums tätig und übernahmen später Lehrstühle in der Türkei. Von der jüngeren Generation der Universitätspsychiater führen, Bilgin Saydam, Vedat Sar und Tarik Yilmaz diese Tradition fort.

Situation Anfang der neunziger Jahre

Die wachsenden Zahlen türkischer Arbeitsmigranten in den deutschsprachigen Ländern und deren psychische Probleme hatten schon lange zu gemeinsamer fachlicher Kooperation herausgefordert. Doch gab es bis 1994 keine institutionalisierten Kontakte zwischen psychiatrischen, psychologischen und sozialpädagogischen Fachkräften beider Länder. Es wurden lediglich vereinzelte Vorträge türkischer Psychiater in Deutschland aufgrund persönlicher Verbindungen organisiert. Fragen der Migrationspsychiatrie fanden in der Türkei nur randständiges Interesse. Aber auch in Deutschland fand diese Thematik trotz ihrer Bedeutung für die psychiatrische Versorgung eines wachsenden Bevölkerungsanteiles keine angemessene Aufmerksamkeit. Weder in Forschung noch in Fragen psychiatrischer Versorgung wurde sie verankert. Vereinzelte Fachbücher wie von Collatz 1985 waren die Ausnahme. Die von Nestmann und Niepel vorgelegte Bibliographie gibt einen Überblick über oft nur schwer zugängliche Publikationen zu Fragen von Gesundheit und Migration bis 1993.

Von diesen seien die prospektiv epidemiologische Untersuchung von Özek (1977) über psychische Reaktionen türkischer “Gastarbeiter” auf die Erfahrung der Migration sowie die sozialpsychiatrischen Studien von Koptagel İlal über die Situation türkischer Frauen und Jugendlicher hervorgehoben. Auch sind die Beobachtungen von Ete (1977) und Eser (1984) über das Krankheitsverhalten türkischer Patienten zu nennen; von deutscher Seite verdienen u.a. die psychoanalytischen Untersuchungen von Leyer (1991), die Arbeiten von Röder (1987) sowie die Veröffentlichungen von Collatz Beachtung. Ein wichtiger Lehrbuchbeitrag stammt von Böker aus dem Jahre 1975. Doch handelte es sich bei solchen wissenschaftlichen Untersuchungen um sporadische Einzelaktivitäten, meist befristete Forschungsprojekte, die unter einander nicht koordiniert waren und damit einer Breitenwirkung entbehrten.

Angesichts zunehmender Fremdenfeindlichkeit und der damit verbundenen Zuspitzung gesundheitlicher Probleme der türkischen Arbeitsmigranten (s. z.B. Zeiler und Zarifoğlu 1994) war eine Intensivierung und Koordinierung der Kontakte türkischer und deutscher Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen dringlich geworden.

Der 1. Deutsch-Türkische Psychiatriekongress

Im Herbst 1992 wurden am Rande einer Tagung des ethnomedizinischen Zentrums in Hannover erste Überlegungen angestellt, einen Deutsch-Türkischen Psychiatriekongress zu planen. Initiatoren waren neben Metin Özek (Istanbul) Jürgen Collatz, Ramazan Salman und Hüseyin Okur (Hannover) sowie Eckhardt Koch (Marburg).

Die Vorbereitungsgruppe für den ersten Deutsch-Türkischen Psychiatriekongress vom 16. bis 22. April 1994 in Antalya bestand dann im Wesentlichen aus den späteren Kongresspräsidenten Metin Özek und Wolfgang M. Pfeiffer sowie Eckhardt Koch. Dieser Kongress stellt einen ersten wichtigen Schritt zu regelmäßigem und interdisziplinärem Austausch von Fachleuten beider Länder dar. Neben Psychiatern und Ärzten anderer Fachrichtungen waren Psychologen, Pädagogen, Sozialarbeiter, Angehörige von Religions-, Sozial-, Sprach- und Wirtschaftswissenschaften sowie Politiker und Journalisten vertreten.

Die alte Tradition psychiatrischer Kontakte zwischen beiden Ländern wurde wieder aufgegriffen. Referenten aus der Türkei und den deutschsprachigen Ländern behandelten das Thema“Psychologie und Pathologie der Migration und des Kulturwandels”.

Der Kongress fand lebhaften Anklang und bewirkte eine Art Initialzündung, Konzepte zur psychosozialen Versorgung von Arbeitsmigranten im deutschen Sprachraum zu entwickeln und markierte den Beginn einer Vernetzung von Fachleuten, die an migrationsspezifischen Fragen interessiert waren.

Die Veranstalter (Türkische Gesellschaft für Neuropsychiatrie, Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, Klinik für Psychiatrie der Universität İstanbul, Psychiatrisches Krankenhaus Marburg des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen und Ethnomedizinisches Zentrum Hannover) wurden aufgefordert, konkrete Schritte zur Fortsetzung der begonnenen Arbeit einzuleiten:

  1. Gründung einer Deutsch-Türkischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosoziale Gesundheit
  2. Fortsetzung der Kooperation in Arbeitskreisen, die bereits während des Kongresses initiiert wurden (u.a. muttersprachliche Psychotherapeuten, Migrantenversorgung im Öffentlichen Dienst, Hilfe bei der Remigration, psychologisch psychiatrisches Wörterbuch, Gutachtenfragen)
  3. regelmäßige Folgekongresse mit interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Bereits im November 1994 wurde dann in Marburg die Deutsch-Türkische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosoziale Gesundheit e.V. (DTGPP) gegründet. Ein wesentliches Merkmal der Gesellschaft ist die Möglichkeit der Mitgliedschaft von Personen aus verschiedenen Ländern, insbesondere der Türkei und den deutschsprachigen Staaten.

Die DTGPP widmet sich laut ursprünglicher Satzung insbesondere:

  • der Unterstützung und Anregung von Forschung und Lehre, die sich mit der Verbesserung der psychosozialen Gesundheit der Migranten, Remigranten und deren Angehöriger in der Türkei und in deutschsprachigen Ländern befasst
  • der Anregung der gezielten Verbesserung der psychosozialen Versorgung sowohl in der Türkei als auch in der Bundesrepublik Deutschland u.a. auf dem Gebiet der Psychiatrie, Psychotherapie und Rehabilitation sowie des Schulwesens, der Jugendarbeit und Altersversorgung
  • der Anregung zu einer Gesetzgebung, die die Belange von Migranten und Remigranten sowie das Zusammenleben mit der einheimischen Bevölkerung verbessert.

Der Arbeitskreis türkischprachiger Psychotherapeuten

Der AKTPT, der inzwischen knapp 200 Mitglieder im deutschsprachigen Raum hat, wurde während des I. Türkisch Deutschen Psychiatriekongresses initiiert und traf sich im Mai 1995 erstmals zu einer bundesweiten Fachtagung in Hannover. Der Arbeitskreis wird über regionale Koordinierung organisiert und veranstaltet seit der Gründung regelmäßig jährliche, bundesweite bilinguale (deutsch/türkische) Fachtagungen zu bestimmten Themen mit Referenten aus dem eigenen Kreis. Weitere Informationen zum Arbeitskreis sind im Internet erhältlich über www.aktpt.de. Eine frühere Publikation (Toker 1997) ist auf dieser website aktualisiert worden.

Bundesweiter Arbeitskreis Migration und öffentliche Gesundheit

Auch dieser Arbeitskreis konstituierte sich während des Antalya Kongresses 1994. Der regelmäßig erscheinende Infodienst informiert über die Aktivitäten. Die Internet Adresse lautet hier www.infodienst.bzga.de

Aktivitäten der Gesellschaft seit Gründung

Der II. Türkisch Deutsche Psychiatrie-Kongress vom 17. bis 23. März 1996 in İstanbul befasste sich mit “Integration und Krankheit – Wege und Irrwege der Migration”. Die Präsidentschaft lag erneut bei Metin Özek und Wolfgang M. Pfeiffer – beide wurden mittlerweile zu Ehrenpräsidenten der DTGPP ernannt. Die gemeinsame Schirmherrschaft des Staatspräsidenten der Republik Türkei, Süleyman Demirel und des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Roman Herzog, war Ausdruck auch des politischen Interesses an der Thematik des Kongresses. Die Teilnahme von 450 Fachleuten aus der Türkei, Frankreich, Italien, der Schweiz, Österreich und Deutschland an diesem interdisziplinären Kongress zeigt, dass die DTGPP bereits kurz nach der Gründung einen größeren Kreis von Fachleuten mobilisieren konnte.

Nachdem die ersten beiden Fachkongresse in der Türkei veranstaltet wurden, fand der III. Deutsch-Türkische Psychiatrie Kongress vom 15. bis 19. September 1998 erstmals in Deutschland, in Berlin, statt und widmete sich der “Psychosozialen Versorgung in der Migrationsgesellschaft”. Er stand erneut unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Roman Herzog, und des Staatspräsidenten Süleyman Demirel. Präsidenten waren Suna Taneli und Wolfgang M. Pfeiffer. Diesmal nahmen mehr als 300 Wissenschaftler und Fachleute der psychosozialen Versorgung aus Deutschland, der Türkei, der Schweiz, Österreich, Italien, Großbritannien und Tschechien teil. Die Beiträge aus Wissenschaft und Praxis zeigten eindeutig am Beispiel der türkeistämmigen Minorität in Deutschland und beispielhaft auch für andere Minderheiten, dass nach wie vor erhebliche diagnostische und therapeutische Defizite bestehen. Probleme sprachlicher Verständigung, fehlender Sensibilisierung und mangelnde Infrastrukturen bei Institutionen im Gesundheitswesen sind weiterhin wesentliche Hindernisse.

Der IV. Türkisch Deutsche Psychiatrie-Kongress tagte vom 05. bis 09. September 2000 in Antalya, erneut in der Türkei, in einem kleineren Rahmen. Unter der Präsidentschaft von Frau Prof. Taneli aus Bursa und Frau Prof. Boos-Nünning aus Essen stand er unter dem Thema “Persönlichkeit und Migration”. Bei diesem Treffen wurde dem Meinungsaustausch mit fortlaufenden Arbeitsgruppen ein besonderer Stellenwert eröffnet. Neben den Vorträgen fanden Posterpräsentationen breiten Raum und es bildeten sich lebhafte Diskussionsgruppen im wissenschaftlichen Rahmen.

Zu den ersten drei Fachkongressen veröffentlichte die DTGPP in ihrer Schriftenreihe beim Lambertus Verlag jeweils ein Kongressbuch mit den wichtigsten Beiträgen.

Die DTGPP hat außerdem bislang vier Fachtagungen zum Gutachtenwesen im interkulturellen Feld angeregt und aktiv mitgestaltet. Bei der 4. Tagung zur transkulturellen Begutachtung unter dem Thema “Migrationsspezifische Begutachtung im Spannungsfeld von Psychologie, Medizin, Recht und Politik” am 02. – 03.11.2001 in Hannover nahmen knapp 200 Fachkräfte aus Medizin, Psychiatrie, Psychologie, Sozial und Rechtswissenschaften teil.

Breiten Raum nahmen Fragen zur Begutachtung von Asylbewerbern ein, einem Thema großer gesellschaftspolitischer Bedeutung. Das breitgefächerte Programm stellte Grundlageninformationen und Problembereiche unterschiedlicher Gutachtenfelder vor und förderte gegenseitiges Verständnis von Gutachtern und ihren Adressaten in Verwaltung und Justiz. In Arbeitsgruppen wurden u. a. Kriterien für die Begutachtung von Migranten erarbeitet, die transkulturelle Erkenntnisse und soziokulturelle Bedingungen in der gutachterlichen Praxis verankern. Dabei wurde auch die kontrovers diskutierte Frage von Mindeststandards für die Erstellung von Gutachten aufgeworfen.

Am 20. November 1999 wurde zum 80. Geburtstag des Ehrenvorsitzenden und Präsidenten der ersten drei Kongresse, W.M. Pfeiffer in Marburg das Symposium “Begegnung mit dem Fremden”organisiert. Die wesentlichen Vorträge sind in dem Band 23 (2000) 2 der Zeitschrift curare veröffentlicht. Außerdem hat die DTGPP sowohl in Deutschland als auch in der Türkei an zahlreichen Kongressen, Tagungen, Seminaren einschließlich Expertenworkshops der Bundesregierung aktiv teilgenommen.

Die DTGPP hat gemeinsam mit dem Referat Transkulturelle Psychiatrie der DGPPN bei den DGPPN Kongressen 2000 in Aachen und 2001 in Berlin das Symposium “Transkulturelle Psychiatrie” organisiert und veranstaltet. Zum Referat der psychiatrischen Fachgesellschaft bestehen enge Verbindungen durch zahlreiche Doppelmitgliedschaften und persönliche Kontakte. Diese Kooperation hat sich bewährt und wird weiterhin gepflegt.

Des weiteren engagierte sich die DTGPP beim Gesundheitstag in Berlin vom 31.05. – 04.06. 2000 und gestaltete mehrere Symposien und Posterpräsentationen.

Aktivitäten in der Türkei

Auch in der Türkei hat die DTGPP an zahlreichen nationalen Kongressen und Tagungen in Form von Symposien, Panels, Arbeitsgruppen, Workshops und/oder Posterpräsentationen teilgenommen. Mitglieder unserer Gesellschaft referierten u. a. bei den Sozialpsychiatrie Kongressen in Adana 1997 und in Kappadokien 1999, sowie den Anatolischen Psychiatrie Tagen in Diyarbakir 1999 und Edirne 2000. Darüber hinaus wurde in der Zeit vom 30 Nov. bis 2. Dez. 2001 in Istanbul in Kooperation mit der Marmara Universität, Abteilung Psychiatrie ein Symposium zu der Thematik “Schizophrenie: Neue Aspekte zu Diagnostik und Behandlung” gestaltet. Zuletzt beteiligte sich die DTGPP mit einem ganztägigen Symposium am 40. nationalen Psychiatriekongress vom 28.09. bis 03.10.2004 in Kuşadası.

Mitgliederanalyse

Zum Jahresende 2001 waren im deutschsprachigen Raum 162 Mitglieder registriert, davon in Deutschland 155, in der Schweiz fünf und in Österreich zwei. Hiervon sind 72 türkischer Herkunft und bilingual, 90 sind deutschstämmig, nur wenige von ihnen sprechen türkisch.

Von Berufsgruppen her betrachtet sind Nervenärzte mit insgesamt 60 Personen die stärkste Gruppe gefolgt von Psychologen mit 41 Personen. Dabei fällt auf, dass Psychologen mit 30 Personen die stärkste Berufsgruppe bei den aus der Türkei stammenden Mitgliedern ausmachen. Ärzte anderer Fachgebiete stellen 29 Personen Sozialarbeiter 14, andere Berufsgruppen (z.B. Pflegeberufe, Pädagogen) 18 Mitglieder.

In der Türkei sind ca. 60 Mitglieder registriert, die überwiegend an verschiedenen Universitäten arbeiten und aus zahlreichen Berufsgruppen stammen.

Ziele der DTGPP

Aus dieser Mitgliederanalyse ergeben sich bereits unterschiedliche Ziele der Arbeit. Die recht große Gruppe deutscher Psychiater ist insbesondere an Fragen besserer Versorgung ihres Klientel türkischer Herkunft (bzw. von Patienten ausländischer Herkunft allgemein) interessiert. Fragen bzgl. Vernetzung, Therapiekonzepten, Kongressen und kleineren Tagungen mit Angeboten für Fort- und Weiterbildung sowie persönlichem Austausch stehen im Vordergrund.

Zusammenarbeit mit Kollegen in der Türkei und die Entwicklung gemeinsamer, länderübergreifender Projekte hingegen ist meist ausdrücklicher Wunsch der bilingualen Mitglieder.

Ein weiterer Unterschied besteht in den Vorstellungen der Mitglieder in der Türkei und in Deutschland. Psychiatrische Versorgung für Minoritäten in Deutschland und Konzepte der Transkulturellen Psychiatrie sind für die deutschen Mitglieder von Bedeutung. In der Türkei hingegen sind Migrationsthemen nach wie vor nicht im Vordergrund des Interesses. Hier sind neben persönlichen Begegnungen vor allem allgemeine psychiatrische Themen gefragt.

Wir haben deshalb mit unseren Veranstaltungen unterschiedliche Schwerpunkte in beiden Ländern im Auge: Fragen der Versorgung bei Tagungen in Deutschland und allgemeinere psychiatrische Themen bei Kongressen in der Türkei.

Vorstandsarbeit

Die Aktivitäten der Gesellschaft werden von der Arbeit des Vorstandes initiiert und gesteuert. Aktuell besteht der Vorstand aus acht Mitgliedern, fünf stammen aus Deutschland, ein Mitglied aus der Schweiz und drei aus der Türkei. Dabei liegt der erste Vorsitz in Deutschland, der 2. Vorsitz in der Türkei. Regelmäßige Sitzungen (Tagesveranstaltungen ca. fünfmal jährlich) und Wochenendtreffen (ca. einmal im Jahr) finden meist in Deutschland und seltener auch in der Türkei statt. Die Kongresse dienen auch als Forum des Austausches von Vorstand und den Mitgliedern. Regelmäßige Rundschreiben informieren die Vorstandsmitglieder auch zwischen den Treffen.

Der Kontakt zu aktiven Mitgliedern findet meist auf persönlicher Ebene statt. Teilweise nehmen auch Gäste an den Vorstandssitzungen teil.

Wissenschaftlicher Beirat

Zur Vorbereitung des V. Deutsch Türkischen Psychiatriekongresses (geplant für Herbst 2003 in Essen) übernimmt erstmals der wissenschaftliche Beirat gemeinsam mit Vertretern des Vorstandes eine wichtige Funktion. Das interdisziplinäre Gremium ist mit Forschern besetzt, die insbesondere über Erfahrung mit transkulturell psychiatrischen Fragestellungen verfügen und internationale Kontakte pflegen. Damit werden zukünftig auch englischsprachige Symposien möglich.

Ausblick

Im Verlauf ihrer noch kurzen Geschichte hat die DTGPP bereits beachtliche Erfolge zu verzeichnen. Leider fehlen bislang die finanziellen Voraussetzungen für eine eigene Geschäftsstelle und die Arbeit wird rein ehrenamtlich durchgeführt.

Geplant ist der Aufbau von Partnerschaften zwischen Institutionen in Deutschland und der Türkei. Kliniken sowie außerklinische Institutionen mit ähnlichen Profilen – was Versorgungsaufgaben und wissenschaftliche Aktivitäten betrifft – könnten in einen regelmäßigen Austausch treten und dadurch mittelfristig neue Strukturen der Kooperation zwischen beiden Ländern schaffen. Das würde perspektivisch die Basis stärken und die Arbeit des Vorstandes entlasten.

Die Verbesserung der psychosozialen Versorgung von Migranten, Flüchtlingen und Asylbewerbern in Deutschland ist darüber hinaus auch weiterhin ein zentrales Thema. Es ist zu hoffen, dass der geplante Arbeitskreis “Transkulturelle Psychiatrie” bei der Bundesdirektorenkonfernz (Leitungsgremium psychiatrischer Krankenhäuser) die Sensibilität für die Situation nichtdeutscher psychiatrischer Patienten verbessert.

Weiterhin werden Tagungen zu vielfältigen Themen rund um die Transkulturelle Psychiatrie den Kern unserer Arbeit ausmachen.

Dafür sind wir für jede Unterstützung, neue und aktive Mitglieder und Anregungen sowie Kooperationen dankbar.

Eckhardt Koch, Kurt Heilbronn, Meryam Schouler-Ocak
aus: DTGPP-Rundbrief 01/2002 (überarbeitet)